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Der Rundgang durch die antike Stadt beginnt unterhalb der Talmulde, auf der Agora, dem antiken Markt- und Hauptplatz von Kameiros. Ein erster Blick über das gesamte Grabungs-gelände bis hinauf zum bewaldeten Hügelkamm verwirrt den Beschauer durch die Vielzahl der einzelnen Bauten. | |
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Neben zahlreichen Statuensockeln, öffentlichen Gebäuden und großzügigen Treppenanlagen befindet sich ein dreistufiger Unterbau (Krepsis) eines Apollon-Tempels auf der Agora. Viele kleine Architekturfragmente und andere Steinmetzarbeiten, die weit verstreut über dem Gelände zu finden sind, vermitteln einen plastischen Eindruck über das griechische Formgefühl der Antike. Die vielen Zisternen und weitverzweigten tönernen Wasserleitungen im Bereich der gesamten Stadt erzählen von der hohen Wohn- und Lebenskultur der Bewohner. Nordöstlich der Agora verlaufen die spärlichen Reste der ehemaligen Stadtmauer in ostwestlicher Richtung. Der Stadtmauer nach Osten hin folgend, entdeckt man bereits wieder überwucherte Grundmauern antiker Wohnhäuser. Südlich dieser Mauern liegt der eigentliche Marktplatz der Stadt Kameiros. An der Ostseite des Marktes erhebt sich eine mächtige Treppenanlage, die zu den Wohnvierteln und zu der Hauptstraße der Stadt führt, über die man zu der Stoa und zu dem Tempelbezirk gelangt. Kurz vor der Treppe, links, befinden sich der Sockel eines antiken Altars, die Fragmente einer Stadtmauer aus dem 5. Jahrhundert vor Christus und ein halbrunder eingefasster Platz mit fragmentarischen Säulenbasen. Nordöstlich dieser Gruppe, in der Nähe der ersten Stadtmauer, liegen zwei nahezu quadratische öffentliche Bäder aus der Antike. Weiter im Süden der Agora erkennt man die äußerst spärlichen Reste des Apollon-Tempels, der während der größten Machtentfaltung der Stadt im dorischen Stil errichtet wurde. Den Hang weiter aufwärts, gleich hinter den Tempelfragmenten, die Reste einer mächtigen Zisterne, von der aus ein großer Teil der Stadt ehemals mit Wasser versorgt wurde und die Fragmente eines bescheidenen Brunnens. Hinter der Säulenreihe der Stoa erkennt man mehrere Mauerreste ehemaliger Läden, die von dem öffentlichen Treiben an diesem Ort erzählen. Im Westen, knapp vor der Säulenreihe der Stoa, führen zwei einläufige Treppen in eine monumentale Zisterne hinab, die aus dem Fels herausgearbeitet wurde und einen langgestreckten Rechteckgrundriss hat. Vor der Zisterne steht der Sockel eines antiken Altars. Über antike Pflastersteine und Marmorschwellen mit runden Vertie-fungen der Türflügel geht es den Hang hinauf bis zum Heiligtum. Links vom Hang liegen die Wohnviertel der Bürger des antiken Kameiros. Durch die Anordnung rechtwinkliger Straßenzüge (wie in Milet und später auch in dem antiken Rhodos) entstehen durch die sich kreuzenden Straßen mal kleinere und mal größere Wohnhausinseln. Fast alle Häuser sind Peristyl-Häuser (Hof mit Säulenumgang), deren Straßenseite fensterlos ist. Die Häuserfront ist nur durch die Eingangstüren gegliedert. Alle Räume öffnen sich zum Innenhof, ganz nach südlichem Brauch. Hier und da finden sich in den verhältnismäßig kleinen und niederen Wohnräumen Reste von Wandmalereien oder Fragmente von kunstvollen Terracotta- und Mosaik-Fußböden. Die zur Straße hin geöffneten Bauten waren zumeist Läden oder öffentliche Gebäude. An den alten, mit Steinplatten belegten Straßen sind oftmals Vertiefungen der antiken Wagenspuren zu erkennen. Auf der rechten Seite des Hanges, dem bedeutend schmaleren Teil, waren einst die Verwaltungsgebäude und Tempel der Stadt errichtet. Auch hier gibt es unendlich viele Fragmente und Details von verschiedenen Architekturplastiken, Sockeln mit Inschriften und, wie überall, die unterirdischen Leitungen des Kanalisationssystems der antiken Stadt. Oberhalb der Stadt, am Rand des Hügelkamms, erstreckte sich einst eine 200m lange dorische Stoa (Säulenhalle) aus dem 2. Jh. v.Chr. Als Bindeglied zwischen dem Wohnviertel und dem Heiligtum der Stadt hatte die Stoa einst die Funktion, Mittelpunkt des öffentlichen Lebens zu sein. Hier trafen sich die Bürger der Stadt zum geselligen Beisammensein oder zum Diskutieren. Die Italiener rekonstruierten fünf dorische Säulen einschließlich Gebälk der Stoa aus Stahlbeton, die durch einen kleinen Erdrutsch wieder umgeworfen wurden. Hinter der Stoa schloss sich der große Tempelbezirk mit mehreren Tempeln der Stadt an. Der dreistufige Unterbau (Krepis) des Athene-Kameira-Tempels liegt am nahen Kiefernwaldrand. Unter den vielen verstreuten Fragmenten befinden sich auch die Fundamente eines Zeus-Tempels. Zeus wurde erst zu späterer Zeit als Gott in Kameiros verehrt. Weitere Teile der antiken Stadt Kameiros sind immer noch nicht ausgegraben wie auch das Gebiet der alten Nekropole, hangabwärts zum Meer, im Osten der Stadt. Von vielen Gräbern mit prachtvollen Funden aus minoischer, mykenischer, phönizischer und dorischer Zeit sind nur annähernd 300 geöffnet worden. Hunderte liegen noch unberührt mit weiteren Zeugnissen jener Kultur unter dem Boden von Kameiros. |
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Der Text wurde dem Reiseführer "Rhodos" vom Polyglott-Verlag Dr. Bolte KG München, 1972, entnommen. ISBN3-493-60806-3 |
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