Alt Kamiros
Alt Kamiros
Kamiros, einst eine blühende und berühmte Stadt, die schon Homer in seiner Ilias besang (2.Gesang, Verse 656-670), verlor jedoch wegen seiner strategisch ungünstigen Lage gegenüber den beiden anderen dorischen Städten Lindos und Ialissos sowie der späteren Hauptstadt der Insel Rhodos stark an Bedeutung.
Im 4. Jahrhundert n.Chr. geriet die Stadt dann völlig in Vergessenheit. Danach vermutete man an vielen Stellen der Insel die antike Stadt Kameiros, die erst 1859 von Salzmann und Biliotti entdeckt wurde. Die sagenhafte Stadt lag unter Bäumen, Sträuchern und Jahrhunderte alten Treibsand-Verwehungen, die draufhin teilweise bis 1863 von den Franzosen und Engländern ausgegraben wurde.
Von 1929 an nahmen sich die Italiener der Stadt an und bemühten sich, das antike Kameiros systematisch freizulegen. Das ausgegrabene Kameiros ist für die Archäologie von besonderem Interesse, da diese Stadt ein einzigartiges Beispiel griechischer Wohnkultur im Zusammenhang mit Marktplatz und Heiligtum ist, das nur mit Pompeji und Delos verglichen werden kann.

Die geographische Lage von Kameiros direkt am offenen Meer, nach Kreta und zum griechischen Festland hin, brachte der Stadt einen ertragreichen Seehandel. Dagegen musste die strategisch ungünstige Lage, die unbefestigte Hafenbucht am Meer und die von Hügeln umgebene Talsenke, die von allen Seiten Einblick gewährte, zwangsläufig zum Untergang der Stadt führen.
Die Gründungszeit von Kameiros geht bis in die minoische Epoche zurück. Althaimenes, ein Enkel des König Minos aus Knossos, soll einst Kameiros gegründet haben. Funde aus der mykenischen Epoche geben Aufschluss über eine Besiedelung während des 14.-12. Jh. v.Chr. Die heute überlieferten Bauten, Straßen und Plätze der antiken stadt stammen allesamt aus dem 2. Jh. v.Chr., sind also somit rund 200 Jahre älter als das berühmtere beispiel einer fast völlig aisgegrabenen Stadt von Pompeji. Die griechische Mythologie überliefert, dass Kameiros durch einen Sohn des herakles, Tleptolemos, der hier lange gelebt haben soll, große bedeutung erlangt habe. Unter seiner Führung zogen die Helden von Kameiros in den Trojanischen Krieg.
Wie in den beiden anderen dorischen Städten Lindos und Ialyssos, wie später auch in Rhodos, waren die Bildhauerschule, die Keramik-Industrie und die Goldschmiedekunst der Stadt hoch entwickelt und weit über die Grenzen der Insel geschätzt und begehrt. Wenige Beispiele dieser großen Schaffensperiode befinden sich im Archäologischen Museum von Rhodos. Hier sei besonders die Grabstele der Krito und der Tamarista aus dem 5. Jahrhundert v.Chr. erwähnt, die 1930 von den Italienern in Kameiros gefunden wurde.

Der Text wurde dem Reiseführer "Rhodos" vom Polyglott-Verlag Dr. Bolte KG München, 1972, entnommen.
ISBN3-493-60806-3


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